Lehren der BVB-Krise

Borussia Dortmund ist nicht mehr Tabellenletzter, sondern hat sich durch den Sieg in Freiburg auf den Relegationsplatz vorgearbeitet. Wer hätte gedacht, dass Borussia Dortmund sich zu diesem Zeitpunkt der Saison im Abstiegskampf befindet?

Welche vier Lehren lassen sich aus der Krise der Dortmunder für den BVB und die erste Fußball-Bundesliga insgesamt ziehen?
Vier Lehren der Dortmund-Krise

Insgesamt habe ich vier Lehren ausgemacht. Wenn jemand noch eine weitere hat oder eine Anmerkung loswerden möchte, so hinterlasse er gerne einen Kommentar.

1) Mit Ausnahme der Bayern ist keine Mannschaft davor gefeit, in einer Saison abzurutschen

Kaum jemand hätte gedacht, dass Dortmund in dieser Saison im Tabellenkeller feststeckt. Viele hatten fest damit gerechnet, dass der BVB sich als eindeutige zweite Kraft in der Bundesliga etabliert. Doch die Leistungsdichte hinter den Bayern ist hoch, zumal der VFL Wolfsburg durch seinen Sponsor sehr viel Geld in Spieler investieren kann.
Vielleicht erwischt es in der nächsten Saison die Wolfsburger mit einer unerwarteten Krise.

Klar ist aber auch, dass eine so schwere Krise für einen in den vorherigen Spielzeiten so erfolgreichen Verein eher selten ist. Nicht einmal der Schalker Absturz von Platz 2 (2009/10) auf Platz 14 in der folgenden Saison scheint mir vergleichbar, da der zweite Platz in 2009/10 vielleicht eher ein positiver Ausrutscher war bei Rang 8 im Vorjahr.

Die Dortmunder Krise macht umso klarer: Die einzige Mannschaft, die fast zu 100 Prozent in jedem Jahr mindestens die Top 4 erreicht, ist der FC Bayern.

2) In der kurzen Frist spielt Glück im Fußball eine große Rolle

Was bezeichne ich als Glück bzw. Pech? Wenn eine Mannschaft vergleichsweise viele Torchancen rausspielt und dabei nur wenige Tore erzielt, während sie andererseits bei wenigen zugelassenen Chancen viele Tore kassiert, dann nenne ich das vor allem Glück. Sicherlich spielt auch eine Rolle, ob wie gut die eigenen Stürmer die Chancen verwerten, doch dieser Einfluss wird überschätzt.

Wenn man sich die herausgespielten Chancen der Dortmunder anschaut, dann sieht man, dass der BVB nach Bayern und Wolfsburg gemeinsam mit Bayer Leverkusen die drittmeisten Torchancen aller Vereine herausspielt. Doch weniger als jeder zehnte Torschuss findet den Weg in die Maschen. Dortmund hat die Chancen, der Gegner ist jedoch sehr viel effizienter im Verwerten der Torchancen. Etwas mehr als jeden fünften Torschuss aufs Dortmunder Gehäuse müssen Weidenfeller oder Langerak anschließend wieder aus den Maschen holen.

Ein einzelnes Fußballspiel und auch eine Saison mit einer überschaubaren Anzahl an Spielen werden zu einem Großteil vom Glück bestimmt. Dazu zähle ich auch das Glück eines Laufes. Wäre der BVB nicht ganz so beschissen in die Saison gestartet, dann hätten die Spieler zumindest teilweise ihr Selbstvertrauen behalten und der BVB befände sich zumindest im Niemandsland der Tabelle.

3) Die Leistungsdichte hinter dem FC Bayern ist hoch, so dass kleine Unterschiede bereits einige Tabellenplätze ausmachen können

Wie gesagt möchte ich dennoch nicht bezweifeln, dass neben Glück die Qualität der Stürmer eine Rolle beim Nutzen von Torchancen spielt. Und da geben Ramos und Immobile derzeit keine gute Figur ab, auch wenn schon zu Zeiten Lewandowskis die Chancenverwertung schon das große Manko des BVB war. Damals spielte der BVB jedoch noch mehr Chancen heraus.

Beim BVB tat sich vor der Saison sehr viel. Viel Veränderung stellt dabei sowohl Chance als auch ein hohes Risiko dar: Da geht ein herausragender Mann wie Lewandowski, gleichzeitig kommen vor der Saison mit Immobile, Ginter,Ramos,Kagawa und Sahin etliche namhafte Neuzugänge.

Und dann passt es nicht, wo auch immer. Dann verstehen sich die Leute innerhalb der Mannschaft nicht (mehr) so gut. Dann klappt die Integration nicht reibungslos. Dann ist Ramos vermutlich ein besonders sensibler Spieler, der sich vergebene Torchancen mehr zu Herzen nimmt als vorher ein Lewandowski. Hinzu kommt Verletzungspech.

4) Klopp ist nicht ganz so groß, wie er nach seinen Erfolgen gemacht wurde

Selbst ein Jürgen Klopp, der den BVB zu einem Spitzenteam der Bundesliga geformt hatte, wird derzeit wieder in Frage gestellt. Der Mann, der vor einem halben Jahr noch Heldenstatus genoss. Wo liegt die Wahrheit? Vermutlich ist Klopp nicht so grandios, wie er nach zwei deutschen Meisterschaften, zwei deutschen Vizemeisterschaften, einem Pokalsieg und dem CL-Finale gemacht wurde. So schlecht, wie er nun teilweise dargestellt wird, ist er natürlich auch nicht.

Da wird von den Medien wieder einmal viel aufgebauscht und Klopp permanent als ratlos dargestellt. Eine gewisse Ratlosigkeit muss man Klopp angesichts dieses Negativlaufs auch einfach mal zugestehen. Der Mann hat sich vermutlich nach den letzten drei unglaublich erfolgreichen Jahren auch ein bisschen selbst überschätzt. Wer will es ihm verdenken? Der Mann braucht vermutlich auch erst einmal ein wenig Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen.

Doch warum bitte soll ein Jürgen Klopp, der schon in Mainz schwierige Situationen erfolgreich bewältigt hat, nun der falsche Mann sein? Mit Mainz war Klopp zweimal in Folge knapp am Aufstieg in die Bundesliga gescheitert. Im dritten Anlauf hat es dann in der Saison 2003/04 geklappt.